Grünes Kreuz für Bruno Berloffa

Das Grüne Kreuz wird als Auszeichnung für Rettung aus Bergnot seit 1923 vom österreichischen Alpenverein vergeben. In den 96 Jahren seines Bestehens wurden insgesamt 511 Personen damit ausgezeichnet, darunter auch mehrere Mitglieder der Bergrettung Innsbruck – unter den aktiven Ortsstellenmitgliedern sind das etwa Walter Spitzenstätter und Gilbert Posch. Verstorbene Ortsstellenmitglibder aus Innsbruck mit dem Grünen Kreuz waren beispielsweise Wastl Mariner, Hannes Schmidhuber, Eduard Bodem oder Gerhard Flora. Eine vollständige Liste der Träger des Grünen Kreuzes aus Tirol findet sich hier.

Seit dem vergangenen Wochenende darf sich die Ortsstelle Innsbruck über einen weiteren Träger des Grünen Kreuzes freuen, und zwar über das Grüne Kreuz Nr. 508, wie der Alpenverein mitteilt. Und auch wenn er selbst meinte, das sei eigentlich eine Auszeichnung für die Ortsstelle weil Bergrettung immer Teamarbeit ist, so sei trotzdem hier den Antrag auf Verleihung des Grünen Kreuzes an Bruno Berloffa veröffentlicht:

Bruno Berloffa, Träger des Grünen Kreuzes Nr. 508 seit 2019 auf einem Anstieg zum Eiger über den Mittellegi integrale.

 

“Mag. Bruno Berloffa (geb. 1971) ist seit 2004 Mitglied der Bergrettung Tirol und seit mehr als 10 Jahren als Leiter der Ortsstelle Innsbruck tätig. Er war bereits an hunderten Einsätzen beteiligt, wobei er die meisten davon als Einsatzleiter in entscheidender Weise bereichern und zum Erfolg führen konnte. 

Bruno Berloffa ist durch seine intensive alpinistische Tätigkeit sowohl im Fels, wie auch im Eis, gepaart mit dem absoluten Willen, jedem in Gefahr befindlichen Menschen helfen zu wollen, ein ideales Vorbild für die ganze Einsatzmannschaft. Schwierigste Anstiege in den Ost- und Westalpen haben Berloffa dazu befähigt, alle Probleme des alpinen Rettungswesens in jedem Gelände bewältigen zu können. 

Seine Führungsqualitäten spielen im Rettungseinsatz eine große Rolle. Nur die richtige Einschätzung aller gemeldeten Umstände eines Unfalles, die beste Einteilung aller Kräfte an der jeweils idealen Position im Einsatzablauf und die konsequente und unmittelbare Abwicklung ohne Zeitverlust, können zum erhofften Erfolg führen.

Als Beispiel für die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit in allen Bereichen der heutigen Bergrettungstechnik sei ein ganz spezieller Einsatz vom Mai 2017 beschrieben, bei dem Berloffa in oben beschriebener Weise alle Qualitäten eines Bergretters eingesetzt hat, die schließlich dafür verantwortlich waren, dass es gelungen ist, zwei jungen Menschen das Leben zu erhalten:

Eine gemischte Seilschaft, bestehend aus einer 28-jährigen Vorarlbergerin und einem 26-jährigen Tiroler, stieg in die direkte Südverschneidung am Hechenberg ein. Das Wetter war prächtig, Sonnenschein, etwas Wind. Die beiden sind gute Sportkletterer und bewältigten den unteren Teil der Wand ohne große Probleme. Auch die Schlüsselseillänge hatten sie bereits hinter sich, als sich die vorauskletternde Vorarlbergerin etwas zu weit nach links verstieg und aufgrund des brüchigen Gesteins keine Möglichkeit mehr fand eine Sicherung unterzubringen. Der letzte Haken befand sich 15m unter ihr, ein Abklettern in dieser Schwierigkeit war nicht mehr vorstellbar. 

Der Griff zum Handy, um einen Notruf abzusetzen, ist heutzutage kein Problem. Die Bergrettung Innsbruck wurde verständigt und in Bereitschaft gesetzt. Die beiden Kletterer waren unverletzt, sahen aber keine Möglichkeit sich selbst aus der gefährlichen Lage zu befreien. Die besondere Dramatik der Situation ergab sich aus dem Umstand, dass es für die Kletterin klar war, dass sie an dieser Stelle in Kletterposition sich keinesfalls ewig wird halten können. Ein Absturz nach endgültigem Kraftverlust hätte nicht nur ihr eigenes Ende, sondern höchstwahrscheinlich auch jenes des Partners bedeutet, weil die minimale Absicherung bei dieser Sturzhöhe höchstwahrscheinlich in dem brüchigen Gelände nicht gehalten hätte. Eile war somit absolut notwendig.

Der Erkundungsflug eines Hubschraubers brachte die Bestätigung, dass die beiden untereinander in Kletterstellung stehend verharren. Eine direkte Bergung per Rettungstau war aufgrund des Standortes der beiden und auch aufgrund der Windböen nicht möglich. 

Sechs Bergretter, mit der Ausrüstung für eine 600 Hm-Wandbergung, wurden per Hubschrauber auf den Gipfel des Hechenbergs (1740m) „geshuttelt“. Eine zweite Mannschaft stieg von unten auf, um den Geretteten entgegenzugehen. 

Vom Gipfel sind ca. 100 Hm abzusteigen, um den Aufbauplatz zu erreichen. Mit einem Dyneema-Doppelseil wurde Bruno Berloffa vorsichtig in die Wand abgelassen. Nur durch genaueste Kenntnis der Umgebung war es möglich, die exakte Abseil-Richtung zu bestimmen. 

Bruno Berloffa erreichte punktgenau die hilflose Kletterin. Sie wurde sofort an die Abseilplatte übernommen und konnte endlich ihre physische, wie auch psychische Anspannung auf das Rettungsseil übertragen. Die Erleichterung der Alpinistin war intensiv zu spüren, die Lebensgefahr in der sie sich mehr als eine Stunde lang in schwieriger Kletterstellung verharrend, befand, war ihr voll bewusst. 

Nun wurden die beiden weiter bis zum Kletterkameraden am Seil abgelassen, der sich am unteren Stand befand. Nach der Übernahme des Partners, wurde die Abseilfahrt zu dritt fortgesetzt. Nach einer kurzen Unterbrechung, die zur Verlängerung des 400m-Seiles um weitere 200m erforderlich war, konnte die restliche Wand, stets über gute Funkverbindung gesteuert, abgefahren werden.

Berloffa musste am Ende des 600m langen Seiles noch eine Felssicherung anbringen, um mit den zwei Geborgenen vorsichtig den Rest des steilen Geländes absteigen zu können. 

Der perfekte Ablauf der Rettungskette mit präziser Zusammenarbeit von Flugrettung und terrestrischer Bergrettung, mit Unterstützung von Bundesheer und der Leitstelle Tirol, haben diese erste Wandbergung am Hechenberg zu einem Einsatz gemacht, der die Geschichte der BR Innsbruck eindrucksvoll bereichern wird. 

Eine derart große Wandbergung innerhalb so kurzer Zeit abzuwickeln, noch dazu mit dem befriedigenden Ergebnis, zwei Menschen aus lebensbedrohlicher Situation gerettet zu haben, ohne den geringsten Zwischenfall, gibt Anlass zu Freude. Hier wurde bewiesen, dass es heute unter Aufwendung aller modernen technischen Hilfsmittel (Handy, Hubschrauber, Wandbergetechnik) möglich geworden ist, menschliches Leben zu retten, das noch vor 50 Jahren wahrscheinlich in einer Katastrophe geendet hätte.

Der wesentlichste Teil am Erfolg dieser Rettungsaktion stammt von Bruno Berloffa, der mit dieser Lebensrettung, neben seinen übrigen Erfolgen bei härtesten Einsätzen mit der höchsten Auszeichnung für Rettung aus Bergnot, dem „Grünen Kreuz“ des Alpenvereins ausgezeichnet werden soll.”

Eine genaue Beschreibung des Einsatzes in der Hechenberg Südwand mit vielen Fotos findet sich hier.

Lieber Bruno, lieber Ortsstellenleiter und nunmehr lieber Träger des Grünen Kreuzes: wir verstehen die Auszeichnung als Auszeichnung für die Ortsstelle und für alle Beteiligten am geschilderten Einsatz am Hechenberg. Das Grüne Kreuz aber gebührt dir, und wir freuen uns mit dir und für dich! (gebi)